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Biografie
Einstein am 22. August 1930 auf der Funkausstellung in Berlin
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Einstein hält am 22. August 1930 bei der Funkausstellung in Berlin die Eröffnungsrede

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Einstein eröffnet die 7. Funkausstellung

"Verehrte An- und Abwesende!"

und ein Mensch mit – international - geradezu mythischem Prestige: das Weltgenie.

"Bis auf unsere Tage lernten die Völker einander fast ausschließlich durch den verzerrenden Spiegel der eigenen Tagespresse kennen. Der Rundfunk (…). wird (…) dazu beitragen, das Gefühl gegenseitiger Fremdheit auszutilgen, das so leicht in Mißtrauen und Feindseligkeit umschlägt."

Das Radio war nicht die Innovation der Funkausstellung 1930. Bereits bei der ersten Funkausstellung 1924 war der "Röhren-Rundfunkempfänger" vorgestellt worden. Der Publikumsmagnet dieser Funkausstellung jedoch hatte direkt mit Einstein zu tun:
Weltweit erstmals wurde der "Fernseh-Demonstrationsempfänger" präsentiert. Der Flug der Elektronen auf dem winzigen Bildschirm aber ließ sich nur in Kenntnis von Einsteins spezieller Relativitätstheorie richtig berechnen.

In seiner Rede ging Einstein nicht auf das Fernsehen ein. Ihm war der Hörfunk viel wichtiger: hier sah er einen Zusammenhang zwischen technischem Fortschritt und politischer Partizipation. Seit diesem Jahr 1930 war ganz Deutschland landauf landab mit Radioempfang versorgt: ohne diese "Massenfabrikation" waren Freiheit und

Gleichheit des Zuganges zu dem neuen Medium Rundfunk nicht zu haben.

An Information dachte Einstein dabei jedoch erst in zweiter Linie: das Radio sollte eine Art von geistiger Hebung der unteren und nicht privilegierten Klassen bewirken und " (…) die Werke der feinsten Denker und Künstler (…) der Gesamtheit zugänglich machen (...) und (...) so die Völker aus schläfriger Stumpfheit (erwecken)." Diese schöne Vision war für Einstein Voraussetzung für "wahre Demokratie".

Die, die Deutschland nur dreissig Monate später "erweckten" setzten allerdings ganz andere Visionen um: Es waren die Nationalsozialisten und sie taten es mit dem Volksempfänger. Und gerade Albert Einstein wurde eines ihrer ersten Opfer.

Das Radio als hochmodernes Propagandainstrument war die von Einstein nicht angesprochene Kehrseite der neuen Möglichkeiten. Goebbels und Co. zeigten, dass man das neue Medium auch anders einsetzen konnte, als Instrument der geistigen Gleichschaltung und seichten Berieselung – und der Verteufelung des imaginären Feindes. Einstein befand sich übrigens mit seiner Fehleinschätzung in bester Gesellschaft: auch Bertolt Brechts Vision vom Radio als „Kommunikationsapparat“ der (und nicht für) die Massen. wurde bitter enttäuscht.

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Zuletzt geändert am: 22.12.2006